Ladungssicherung von Yachten auf einem LKW-Transport

Eine Spezial-Disziplin von SLEEPY

Eigentlich sollte man annehmen, dass dieses Thema eine absolute Selbstverständlichkeit im Transportgewerbe – noch dazu bei Sondertransporten wie Yachten und Booten – ist. Aber weit gefehlt: Noch immer lesen wir regelmäßig von durch Polizei und andere Behörden angehaltene Transporte wegen mangelnder Sicherung der Ladung oder über Beschädigungen oder gar über Unfälle! Wir wollen in diesem Artikel daher einmal etwas genauer auf das Thema Ladungs-Sicherung und Ladungs-Sicherheit beim Yachttransport eingehen.

Ein neuer Yachttransport rollt los: Bestens gesichert!

Sie haben sicher auch unseren Artikel zum Thema Routenplanung und Disposition gelesen. Hier ging es auch viel um behördliche Genehmigungen, gesetzliche Auflagen und eine sichere Planung der Fahrt vorweg. Man sollte meinen, dass das auch eine Selbstverständlichkeit sei, und doch sind immer wieder Billig-Anbieter und unseriöse Transporteure unterwegs, die mit Kampfpreisen das Risiko eingehen, ohne Genehmigung unterwegs zu sein. Gleiches gilt für die Ladungssicherung: Ein LKW-Führerschein allein reicht nicht aus, um eine solch komplexe Form wie ein Motor- oder Segelboot perfekt ausbalanciert und vor allem sicher zu transportieren! Wir können Ihnen nur raten, Ihre oftmals Millionen Euro teuren Boote nicht wegen buchstäblich ein paar tausend Euro einem solchen Risiko auszusetzen.

Ladungssicherung bei LKW-Transporten: Wer ist verantwortlich?

Fangen wir zunächst bei der Grundlage an, was nämlich der Gesetzgeber sagt. Dieser hat die Verantwortung über Ihr wertvolles Transportgut nämlich aufgeteilt. Die beladende Firma – also die Werft bei einer neuen Yacht oder der von Ihnen beauftragte Betrieb in Ihrer Heimatmarina – muss die sogenannte „beförderungsfähige Ladung“ sicherstellen. Das heißt, Sie müssen Ihr Boot komplett ausräumen, dass es innen sicher und festgezurrt ist. Das Boot wird mit einem Schutz versehen (z.B. eingeschweißt). Der Belader haftet § 412 HGB und § 22 StVO. Wichtig ist, dass die Belader diese Pflichten nicht einfach auf die Transporteure „abwälzen“ können, was durchaus öfter einmal im Kleingedruckten von AGB zu lesen ist. Gesetz ist Gesetz: Der Belader muss die sichere Transportfähigkeit gewährleisten. Erst dann kommen wir, die Transporteure ins Spiel.

Der Belader muss „transportsicher“ verladen.

Es ist der LKW-Fahrer persönlich, der Fahrzeugführer, der nun für die verkehrssichere Ladungssicherung verantwortlich ist. Er muss dies im Sinne der § 22 und 23 der Straßenverkehrsordnung auch vor Fahrtantritt eigens überprüfen! Und hier kommt eine Besonderheit bei SLEEPY ins Spiel: Denn wir legen größten Wert bei der Aus- und Weiterbildung unserer Fahrer darauf, dass sie Kompetenzen und Erfahrungen erwerben beim Sichern von Ladungen! Wir haben schon oft miterlebt, wie sich andere Fahrer nur als „Chauffeure“ sehen, welche die Fahrzeuge von A nach B bewegen. Bei uns sind Fahrer immer aktiv beim Be- und Entladen Ihrer Yachten am Start! Doch auf was muss man besonders achten?

Es darf niemals ins Rutschen kommen …!

Fangen wir beim Thema Ladungssicherung beim A und O an: Grundsätzlich darf sich nichts, was geladen ist, jemals in Bewegung setzen! Wenn Ihr Boot, der Kiel oder anderes Transportgut einmal rutscht – etwa bei einer Gefahrenbremsung in Längsrichtung oder in einer Kurvenfahrt (beim Ausweichen beispielsweise) in Querrichtung, dann sind tausende Kilogramm, mehrere Tonnen „unterwegs“. Das Gesetz der Trägheit besagt, dass diese Massen dann „durchmarschieren“. Beschädigungen bis hin zu schweren Unfällen können dann die Folge sein. Unsere Fahrer sind also dazu angehalten, zu aller erst alles gegen das Rutschen zu sichern.

Schema einer Ladungssicherung von Booten

Und wie geschieht das? Indem man die Reibung zwischen Auflieger/Trailer und dem Transportgut erhöht. Das ist der einfachste und effektivste Weg. Denn je höher die Reibung ist, desto mehr Kraft wird benötigt, um die Masse zu bewegen. Wir erreichen das durch verschiedene Dinge: Holz-Klötze, Gummi-Matten aber durchaus auch „unorthodoxe“ Mittel, wie dicke Teppich-Abschnitte. Je höher die Anfangsreibung ist, desto weniger Kraft muss man am Ende auf die Spanngurte geben: Dass sich eine GfK-Yacht unter Zug verbiegen oder gar brechen kann, wissen Sie. Aber wussten Sie, dass ein Spanngurt durchaus eine Kiel-Finne eines Segelbootes verbiegen kann?

Hochwertige Auflieger sind der Anfang

Selbst die beste Ausbildung und super motivierte Fahrer bringen nichts, wenn das Material, das sie bewegen, Schrott ist. Auch wenn die Behörden mittlerweile europaweit sehr streng kontrollieren, senden uns unsere Fahrer immer wieder Fotos von unterwegs, die eklatante Sicherheitsmängel schon beim rollenden Material einiger Speditionen offenbaren. Bei uns undenkbar! Sowohl, was die LKW selbst angeht, als auch bei den Trailern. Unsere Auflieger bringen schon von „Hause aus“ eine Menge Voraussetzungen mit, um die Sicherung der Ladung zu erleichtern.

LKW und Auflieger sind top. Immer!

So bieten unsere Auflieger viele, viele Montagepunkte für die Stützen. Diese sind in möglichst kleinen Abständen so positioniert, das wir damit für alle möglichen Yachtgrößen und -Formen (fast) immer genau ein Schott am Rumpf treffen. Denn dort werden die Querkäfte, die eventuell auftreten können, direkt in die Struktur des Bootes eingeleitet und absorbiert. Sonst könnte der Rumpf eingedrückt werden, was bei abrupten, dumpfen Krafteinwirkungen auch zu Glasbruch führen könnte. Das müssen wir natürlich um eden Preis vermeiden! Die Aufliegepunkte, über die wir in unserem Artikel zum SLEEPY-Hubbock-System auch berichtet haben, können wir im Winkel verändern – was dann zu einem sehr guten Formschluss am Rumpf führt.

„Formschluss“ ist das Zauberwort

Denn genau darum geht es: Je formschlüssiger eine Yacht auf dem Aufleger mit möglichst viel Reibung geladen werden kann, desto weniger Spannkraft brauchen wir in den Gurten. Denn auch die solide gebauten Yachten sind für Kräfte im Wasser ausgelegt – nicht für Tonnen Zugkräfte, die ein Spanngurt in die Strukturen einleiten kann. Spanngurte werden grundsätzlich immer an den Belegklampen der Yachten befestigt. Warum? Weil diese sowieso schon für die Aufnahme von Kräften optimiert sind, etwa mit speziellen Konterplatten oder dickerem Laminat. Je größer eine Yacht ist, desto mehr Klampen hat sie: Wir nutzen immer alle, die wir zur Verfügung haben!

Formschluss geht bei Motorbooten am besten.

Und das ist auch der Grund, warum die schöne Transportfolie zumindest an den Klampen immer offen bei Ihnen ankommt: Hier sichern wir die Boote. Eine Besonderheit sind Regatta- und Rennyachten, die oftmals gar keine Belegklampen haben. Bei diesen und speziellen Booten, nutzen wir eine sogenannte „Kopfschlinge“. Das ist ein Gurt der gekonnt um den Bug geführt wird. Ebenso sichern wir das gesamte Boot unten am Kiel noch mit einem „Bremsgurt“, dessen Spannkraft und Bruchlast der Masse des Bootes entspricht – wie eine Art massive „letzte“ Sicherung.

Herausforderung Masttransport: Das Rigg soll unbeschädigt ankommen!

Bei den dünnen, runden oder elliptisch geformten Riggs einer Segelbootes wird es schwieriger. Hier ist die Auflagefläche naturgemäß sehr gering, was wiederum wenig Reibung bedeutet. Und Sie wissen ja bereits: Wir wollen viel Reibung! Daher lagern wir einen Mast immer auf Holzbrettern, Teppich-Stücken oder Styropor-Blöcken. Wichtig ist, dass die Gurte zum Festzurren eben nicht zu fest gezurrt werden! Denn Masten sind ein recht fragiles Transportgut, auch wenn sie nachher atlantischen Stürmen standhalten werden. Das gilt ganz besonders für Rollmasten.

Maximal gesichert: Massiver Kiel!

Denn diese sind offene U-Profile. Wenn hier zu viel Druck über die Gurte kommt, drücken diese den Mast zusammen. Alu-Masten sind dabei noch in einem gewissen Maße flexibel, Carbon verzeiht jedoch konsequent gar keine Fehler! Damit wir die Masten nicht beschädigen, nutzen wir viele Gurte und verteilen diese von ganz vorn nach ganz hinten. So braucht jeder einzelne nun weniger Zugkraft, wobei wir die Gurte generell nur zum Sichern gegen Wegrutschen nutzen, explizit nicht zum festen Anziehen oder gar „Anballern“, wie manche es salopp ausdrücken.

Länger geht nicht: 30 Meter Mast!

Besonders lange Masten werden hinten heraus noch zusätzlich mit einem Gurt hinauf zum Boot abgesichert, damit es nicht federt. Weiteres Zubehör, wie der Spibaum oder der Großbaum kann in der Trailer-Wanne auf Styropor-Klötzen verzurrt werden und wird mit dicken Polstern wie Teppiche abgesichert. So bleibt alles rutschsicher, fest und bestens geschützt. Sie sehen, das ist an sich eine kleine Wissenschaft und verlangt nach speziellem Fachwissen, das man definitiv nicht einfach so mit dem LKW-Führerschein erlangen kann. Auch deswegen sind neue SLEEPY-Kollegen grundsätzlich immer mit erfahrenen Mitarbeitern unterwegs.

Bei SLEEPY ist Ihr Boot in guten Händen!

Neben den Grundlagen der Ladungssicherung, die durchaus in den LKW-Fahrschulen vermittelt werden, und den Fahrten mit unseren „alten Füchsen“, haben wir unser gesamtes Wissen, was Ladungssicherung von Segel- und Motoryachten angeht, in einem internen Schulungs-Dokument und Handbuch festgehalten. Hier sind millionen Kilometer Bootstransport und tausende Yachten „verewigt“ – und viele Tipps, Tricks, Workarounds und Checklisten, wie man selbst die unförmigsten Spezialboote sicher auf den Trailer bekommt. Dieses Handbuch haben alle SLEEPY-Fahrer an Bord – und nutzen es aktiv, wenn sich Fragen ergeben. Sie geben neue Erkenntnisse zudem an die Zentrale weiter, sodass wir unsere „Transportsicherungs-Bibel“ stetig ergänzen, erweitern und verfeinern. Denn mit den Jahren verändern sich die Boote natürlich – und so auch die Anforderungen an ihren Transport.

Wir kommen mit ALLEN Bootsformen klar. Sicher.

Wir hoffen, dass Ihnen dieser Artikel einen kleinen, vielleicht sogar ganz interessanten, neuen Einblick in die Welt der Yacht- und Bootstransporte geben konnte. Vieles findet oft so selbstverständlich statt, dass man es gar nicht mitbekommt. Und dann womöglich für selbstverständlich hält. Dabei sind die routinierten Handgriffe unserer Fahrer essentiell für die Schwertransporte! Wie wichtig uns das Thema Ladungssicherheit ist, damit Ihre Yachten unbeschädigt ankommen, können wir nicht oft genug betonen. Vertrauen Sie Ihr Boot, Ihre Werte, am besten nur Profis an – sparen Sie nicht am falschen Ende!